Augengesundheits-Report 2026
Große Augengesundheits-Analyse zeigt: Bei 80 Prozent der Menschen in Deutschland findet keine regelmäßige Vorsorge statt – mit Folgen für jede vierte Person
Wie steht es wirklich um die Augengesundheit in Deutschland? Diese Frage hat Mister Spex in Zusammenarbeit mit Skleo Health im Rahmen eines neuen Augengesundheits-Reports 2026 untersucht – mit überraschenden Ergebnissen. Die Analyse von über 3.400 Screenings offenbart eine erhebliche Diskrepanz zwischen subjektivem Empfinden und objektiven Ergebnissen: Fast jede vierte Person, die angibt, keine Beschwerden zu haben, zeigt im Screening abklärungsbedürftige Auffälligkeiten. Gleichzeitig waren über 80 Prozent der Teilnehmenden länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt. Der Report zeigt, warum Früherkennung so wichtig ist und welche Gruppen besonders gefährdet sind.
Die wichtigsten Report-Erkenntnisse auf einen Blick
24 Prozent der Teilnehmenden, die angeben, keine Beschwerden zu haben, zeigen im Screening abklärungsbedürftige Auffälligkeiten.
57 Prozent der über 60-Jährigen haben unbemerkte Augenprobleme.
80 Prozent waren länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt.
Glaukom & diabetische Retinopathie: Jede:r Zehnte mit Vorbelastung zeigt Auffälligkeit.
Die unbemerkte Gefahr: Wenn das Auge leidet, ohne dass wir es merken
Augenerkrankungen gehören zu den tückischsten Gesundheitsrisiken: Sie entwickeln sich oft schleichend, verursachen lange keine Schmerzen und bleiben deshalb unbemerkt. Erst wenn die Sehkraft bereits spürbar nachlässt, suchen viele Menschen professionelle Hilfe – oft zu spät für eine vollständige Wiederherstellung.
Um die Lücke zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlichen Auffälligkeiten zu untersuchen, wurden die Daten aus den Augengesundheits-Screenings bei Mister Spex mit den eigenen Angaben der Teilnehmenden im Anamnese-Bogen abgeglichen. Die Ergebnisse des Augengesundheits-Reports zeigen eindrücklich, wie sehr man sich täuschen kann.
24 Prozent sehen schlechter als sie denken
Die Analyse offenbart eine trügerische Sicherheit: Zunächst gaben 82 Prozent der Teilnehmenden im Anamnese-Bogen an, keinerlei Beschwerden zu haben. Ein Wert, der zunächst beruhigend klingt. Doch das anschließende professionelle Screening, das die objektiven Gesundheitsdaten der Augen erfasst, zeichnete ein anderes Bild: Bei 24 Prozent dieser vermeintlich beschwerdefreien Teilnehmenden wurden dennoch Auffälligkeiten festgestellt.
Fast ein Viertel der untersuchten Menschen lebt also mit Sehproblemen, von denen sie nichts wissen: von Sehschwächen (Visus im Bereich von 0,1 bis 0,8) über beginnende Netzhautveränderungen bis hin zu frühen Anzeichen eines Glaukoms.
Das Alter als massiver Risikofaktor
Bei Teilnehmenden, die im Anamnesebogen keine Beschwerden angaben, zeigen sich im Alter Auffälligkeiten in einem deutlich ansteigenden Verhältnis: Während bei den 18- bis 40-Jährigen 15 Prozent betroffen sind, steigt der Anteil bei den 41- bis 60-Jährigen bereits auf 26 Prozent. Bei den über 60-Jährigen hat mit 57 Prozent mehr als jede:r Zweite unbemerkte Probleme.
Ein differenzierter Blick auf die Geschlechter zeigt unter den beschwerdefreien Teilnehmenden ein leicht erhöhtes Risiko bei Männern. Bei Frauen zeigten 23 Prozent unbemerkte Auffälligkeiten gegenüber 25 Prozent bei Männern.
Welche Auffälligkeiten das Screening aufdeckt
Nachdem die Analyse zeigt, dass fast jede:r Vierte unbemerkte Probleme mit sich herumträgt, beantwortet die Detailauswertung die Frage: Welche Probleme sind das genau?
Das zentrale Ergebnis: Fast jede:r Sechste (17 Prozent) aller Teilnehmenden hat mindestens eine handfeste organische Auffälligkeit am Auge. Darunter fallen spezifische Auffälligkeiten wie Anzeichen für ein Glaukom, Drusen, eine Makuladegeneration, diabetische Retinopathie oder Sehnervauffälligkeiten.
Dieser Anteil steigt mit dem Alter deutlich an: von 8 Prozent bei den 18- bis 40-Jährigen auf 45 Prozent bei den über 60-Jährigen. Männer sind mit 19 Prozent etwas häufiger betroffen als Frauen mit 16 Prozent.
Das Ranking der Augenprobleme: Sehschwäche an der Spitze
Schaut man sich alle festgestellten Einzel-Ergebnisse an (Mehrfach-Ergebnisse pro Person möglich), tritt Sehschwäche mit einem Anteil von 29 Prozent am häufigsten auf. Danach folgen mit deutlichem Abstand der Verdacht auf Glaukom (Grüner Star) mit 14 Prozent und Drusen (Ablagerungen unter der Netzhaut, eine Vorstufe der altersbedingten Makuladegeneration, kurz „AMD”) mit 13 Prozent. Andere Auffälligkeiten wie Makuladegeneration, diabetische Retinopathie oder Sehnervauffälligkeiten machen jeweils zwischen 1 und 3 Prozent aus.
Wie sich das Spektrum der Auffälligkeiten mit dem Alter verschiebt
Bei den jüngeren Teilnehmenden (18–40) dominiert die Sehschwäche mit 60 Prozent aller Auffälligkeiten klar, gefolgt von Glaukom-Verdacht (26 Prozent). Mit zunehmendem Alter verschieben sich die Anteile: Bei den über 60-Jährigen machen Drusen bereits 35 Prozent aus, Makuladegeneration steigt auf 12 Prozent. Sehschwäche bleibt mit 37 Prozent relevant, aber die degenerativen Erkrankungen treten deutlich in den Vordergrund.
Frauen und Männer – unterschiedliche Risikoprofile
Bei Frauen entfallen 49 Prozent der Auffälligkeiten auf Sehschwäche, bei Männern nur 43 Prozent. Dafür zeigen Männer häufiger Glaukom (25 Prozent vs. 20 Prozent) und Retinopathie (4 Prozent vs. 2 Prozent).
Risikogruppen im Fokus: Wenn Vorbelastungen das Risiko vorgeben
Dass bestimmte Augenerkrankungen wie das Glaukom (Grüner Star) oder Netzhautveränderungen durch Diabetes familiär gehäuft auftreten, ist bekannt. Doch wie hoch ist das Risiko wirklich, selbst zu erkranken, wenn eine solche Vorbelastung besteht? Um diese Frage zu beantworten, wurden jene Teilnehmenden genauer untersucht, die im Anamnesebogen eine Vorbelastung angaben: Glaukom in der Familie, Diabetes oder eine bereits bekannte diabetische Retinopathie. Dies betraf knapp 15 Prozent aller Untersuchten.
Jede:r Zehnte mit Vorbelastung zeigt bereits Auffälligkeiten
10 Prozent der Teilnehmenden mit Vorbelastung zeigten im Screening einen Glaukom-Verdacht oder eine überweisungswürdige diabetische Retinopathie. Der Anteil an Menschen mit organischer Auffälligkeit variiert stark nach Alter: Bei den 18- bis 40-Jährigen liegt sie bei 7 Prozent, bei den 41- bis 60-Jährigen bei 14 Prozent und bei den über 60-Jährigen bei 8 Prozent. Erbliche Erkrankungen manifestieren sich also häufig im mittleren Lebensalter. Der Rückgang bei den Älteren könnte darauf hindeuten, dass regelmäßige Arztbesuche den Screening-Besuch ersetzen.
Im Geschlechtervergleich zeigt sich, dass deutlich mehr Männer eine Bestätigung der Vorbelastung haben (14 Prozent) als Frauen (8 Prozent).
Generation Bildschirm: Mythos auf dem Prüfstand
Das Smartphone und die Digitalisierung des Lebens haben unsere Sehgewohnheiten stark verändert. Wirkt sich dies schon messbar bei jüngeren Menschen aus? Führt der digitale Alltag zu mehr Augenstress, noch bevor echte Krankheiten entstehen? Es wurde geprüft, wie viele junge Menschen unter 40 von Sehbeschwerden berichten, obwohl laut Screening organisch alles in Ordnung ist.
13 Prozent mit subjektiven Beschwerden – ohne organisches Screening-Ergebnis
Die gute Nachricht zuerst: Die große Mehrheit der jungen Menschen (über 80 Prozent) gibt im Rahmen des Screenings an, keine Beschwerden zu haben. Dennoch berichten 17 Prozent der unter 40-Jährigen von subjektiven Symptomen wie Augenbrennen oder verschwommenem Sehen. Das Interessante dabei: Nur bei etwa einem von vier dieser Teilnehmenden ließ sich auch ein organisches Ergebnis im Screening feststellen.
Zum Vergleich: Bei den 41- bis 60-Jährigen berichtet ein fast identischer Anteil von subjektiven Beschwerden (18 Prozent). Hier bestätigt sich jedoch schon bei etwa einem Drittel auch ein organisches Screening-Ergebnis. Die Daten zeigen also, dass die Diskrepanz zwischen wahrgenommenen Symptomen und einem organischen Screening-Ergebnis bei jüngeren Menschen größer ist. Auch wenn kein direkter, kausaler Zusammenhang damit belegt ist, legen die Daten legen nahe, dass ein großer Teil der berichteten Beschwerden auf funktionelle oder vorübergehende Faktoren zurückzuführen ist – etwa intensive Bildschirmnutzung oder trockene Augen – und nicht zwingend auf strukturelle Veränderungen.
12 Prozent der Jungen mit unbemerkten Auffälligkeiten
70 Prozent der Teilnehmenden unter 40 sind beschwerdefrei, was sich so auch im Screening bestätigt. Doch die Analyse deckt eine verborgene Risikogruppe auf: 12 Prozent, die sich ebenfalls als beschwerdefrei einstuften, zeigten im Screening dennoch Auffälligkeiten. Trotz Jugend weist also jede:r Achte eine Auffälligkeit auf, ohne es zu wissen. Das verdeutlicht die Bedeutung der regelmäßigen Kontrolle, auch bei jungen Menschen.
Wo sind die fittesten Augen? Das regionale Ranking
Im Rahmen der Analyse wurden nebenbei die regionalen Unterschiede in der Augengesundheit geprüft. Maßgeblich war der durchschnittliche Visus. Zur Erklärung: Ein Visus von 1,0 (oder 100 Prozent) entspricht normaler Sehschärfe. Ein Visus unter 0,8 kann als Sehschwäche ausgelegt werden.
Hamburg und Düsseldorf an der Spitze: Hamburg führt mit einem durchschnittlichen Visus von 1,03, gefolgt von Düsseldorf (1,02) und Berlin-Treptow (1,01). Die Stadt mit den schwächsten Augen nach Visus ist Augsburg mit 0,88.
Unentdeckte Risiken: Warum bleiben so viele Probleme unbemerkt?
Rund ein Viertel derjenigen, die keine subjektiven Beschwerden mit den Augen hatten, zeigten im nachfolgenden Screening Auffälligkeiten. Diese unbemerkte Gefahr ist bei jungen Menschen – wenn auch geringer – ebenfalls gegeben. Doch warum bleiben so viele Probleme unbemerkt? Ein Hinweis könnte im Vorsorgeverhalten liegen.
Vier von fünf waren länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt
Eine Analyse der Angaben der Teilnehmenden zum letzten Arztbesuch ist aufschlussreich: Nur 19 Prozent der Teilnehmenden waren in den letzten zwei Jahren zur Kontrolle. Entsprechend waren über 80 Prozent länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt – oder noch nie. Im Alter von 41–60 war nur jede:r Fünfte (20 Prozent) in den letzten zwei Jahren beim Augenarzt. Das sind immerhin etwas mehr als im Schnitt der Altersgruppe der 18- bis 40-Jährigen. Mit 17 Prozent hat die Gruppe der 18- bis 40-Jährigen die niedrigste Vorsorge-Rate – eine Chance für niedrigschwellige Angebote.
Fazit: Was die Ergebnisse zeigen – und was wir daraus lernen können
Der Augengesundheits-Report 2026 zeichnet ein klares Bild einer erheblichen Lücke zwischen der Selbsteinschätzung der Menschen in Deutschland und dem tatsächlichen Zustand ihrer Augen. Die zentrale Erkenntnis ist die reale, unbemerkte Gefahr: Fast jede:r Vierte ohne Beschwerden hat bereits messbare Auffälligkeiten. Dieses Problem wird durch ein mangelndes Vorsorgeverhalten verstärkt, denn vier von fünf Teilnehmenden waren länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt. Besonders intensiv verschärft sich die Situation mit dem Alter, wo bei den über 60-Jährigen mehr als jede:r Zweite betroffen ist. Doch auch jüngere Generationen sind nicht geschützt: Jede:r achte unter 40-Jährige weist unbemerkte Auffälligkeiten auf, und bei familiärer Vorbelastung zeigt jede:r Zehnte bereits konkrete Anzeichen für eine Erkrankung.
Die Konsequenz ist unmissverständlich: Regelmäßige Augenkontrollen sind unerlässlich, um die Sehkraft langfristig zu erhalten.
Die Untersuchungsmethodik
Der Augengesundheits-Report basiert auf 3.412 ausgewerteten Screenings, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen im Jahr 2025 in den Filialen von Mister Spex deutschlandweit durchgeführt wurden. Die Screenings erfolgten in Kooperation mit Skleo Health.
Die Datenerhebung erfolgte vollständig DSGVO‑konform. Alle Teilnehmenden wurden vor Beginn des Screenings transparent über Zweck, Umfang und Verarbeitung der Daten informiert und nahmen ausschließlich nach aktiver, freiwilliger Einwilligung an der Erhebung teil. Sämtliche Daten wurden anonymisiert erhoben und ausgewertet; ein Rückschluss auf einzelne Personen ist nicht möglich.
Die Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und über 90 Jahren füllten zunächst einen Anamnese-Bogen aus, in dem subjektive Beschwerden (Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit, Lichtkränze, Nachtblindheit, verschwommenes Sehen, Farbenblindheit), Vorerkrankungen (Diabetes, diabetische Retinopathie, Glaukom in der Familie) sowie der letzte Augenarztbesuch erfasst wurden. Anschließend erfolgte ein professionelles Screening mit Visusbestimmung beider Augen sowie eine Untersuchung auf klinische Auffälligkeiten wie Glaukom, Makuladegeneration, Drusen, Sehnervauffälligkeiten und diabetische Retinopathie.
Ein Screening gilt als auffällig, wenn der Visus zwischen 0,1 und 0,8 liegt und/oder eine der oben genannten klinischen Auffälligkeiten vorliegt. Eine Auffälligkeit wurde als positiv gewertet, wenn sie auf mindestens einem Auge vorlag; Mehrfach-Ergebnisse wurden einzeln gezählt. Für das regionale Ranking wurden nur Regionen mit mindestens 20 Teilnehmenden berücksichtigt.
Bei der Interpretation ist zu beachten: Das Screening ersetzt keine ärztliche Diagnose. Zudem ist von einer Selbstselektion auszugehen – Personen mit bekannten Augenerkrankungen nehmen vermutlich seltener teil, da sie bereits in augenärztlicher Behandlung sind. Trotz sorgfältiger Datenbearbeitung übernimmt Mister Spex keine Garantie oder Gewähr für die hier dargestellten Inhalte.
Zur Person: Die Augengesundheits-Expert:innen
Joëlle Jenny, Augenoptikerin bei Mister Spex:
Joëlle Jenny verfügt über umfassende Erfahrung in der Augenoptik und der Förderung von Augengesundheit. Als ausgebildete Augenoptikerin ist sie Expertin für präzise Sehtests, Linsenanpassung und die Anwendung moderner Technologien zur Verbesserung der Sehqualität. Mit ihrem tiefen Verständnis für Brillentrends und optische Lösungen trägt sie seit Jahren zur Weiterentwicklung innovativer Konzepte bei Mister Spex bei, aktuell als District Managerin für mehrere Standorte im Raum Berlin.
Dr. med. Steffen Emil Künzel, Augenarzt und Co-Founder von Skleo Health:
Dr. med. Steffen Emil Künzel ist als Arzt in der Augenheilkunde tätig, Wissenschaftler an der Berliner Charité und hat Skleo Health 2024 gemeinsam mit Dr. Alex Hein und Fabien Vogl gegründet. Nach seinem Medizinstudium in Bonn promovierte er in Heidelberg und Yale zum Blutgefäßwachstum im erkrankten Auge. Ab 2020 war er als Arzt in Weiterbildung und Wissenschaftler an der Berliner Charité tätig.

